Virtuelle Kraftwerke (VPP) sind eines der spannendsten Konzepte der modernen Energiewirtschaft. Sie vernetzen tausende dezentrale Energieanlagen – Solaranlagen, Batteriespeicher, Wärmepumpen und E-Autos – zu einem virtuellen Grosskraftwerk. In der Schweiz bieten Unternehmen wie tiko (BKW), Alpiq und Groupe E bereits VPP-Dienste an. Für PV-Anlagenbesitzer eröffnet das neue Einkommensmöglichkeiten.
Wie funktioniert ein virtuelles Kraftwerk?
Ein virtuelles Kraftwerk ist eine Software-Plattform, die viele kleine, dezentrale Energieerzeuger und -verbraucher bündelt und zentral steuert. Die einzelnen Anlagen – PV-Module, Batteriespeicher, Wärmepumpen, Elektroboiler – werden über das Internet vernetzt und können in Echtzeit an- oder abgeschaltet werden. Zusammen verhalten sie sich wie ein einziges grosses Kraftwerk.
Der VPP-Betreiber (Aggregator) nutzt diese gebündelte Kapazität, um Dienstleistungen am Strommarkt anzubieten: Regelenergie für die Netzstabilisierung, Spitzenlastmanagement und den Handel am Intradaymarkt. Die Teilnehmer erhalten dafür eine Vergütung – zusätzlich zu ihren normalen Einspeisetarifen.
Schweizer VPP-Anbieter
In der Schweiz sind mehrere Unternehmen im VPP-Bereich aktiv. tiko Energy (eine Tochter der BKW) ist der grösste Anbieter und vernetzt über 10’000 Geräte (Wärmepumpen, Boiler, Batterien) zu einem virtuellen Kraftwerk. tiko bietet Teilnehmern eine kostenlose Smart-Home-Steuerung und zahlt eine jährliche Vergütung von CHF 50–200 je nach Gerät und Flexibilität.
Alpiq bietet über ihre Plattform GridSense ein ähnliches Modell an, das sich besonders an grössere Anlagenbetreiber und Gewerbebetriebe richtet. Groupe E Connect vernetzt Anlagen in der Westschweiz. Swisspower und einige Stadtwerke bieten ebenfalls VPP-Programme an, die lokale Anlagen bündeln und am Regelenergiemarkt vermarkten.
Netzstabilisierung und Regelenergie
Die Hauptaufgabe virtueller Kraftwerke ist die Bereitstellung von Regelenergie. Das Schweizer Stromnetz muss jederzeit eine Frequenz von exakt 50.000 Hz aufweisen. Bei Abweichungen – etwa wenn ein Grosskraftwerk ausfällt oder die Last plötzlich steigt – muss innerhalb von Sekunden Regelenergie bereitgestellt werden, um die Frequenz zu stabilisieren.
Traditionell übernahmen grosse Wasserkraftwerke diese Aufgabe. Zunehmend können aber auch tausende kleine Batteriespeicher und steuerbare Verbraucher diese Rolle übernehmen. Swissgrid, der Schweizer Übertragungsnetzbetreiber, hat den Regelenergiemarkt 2024 für Aggregatoren geöffnet und damit den Weg für virtuelle Kraftwerke geebnet.
Was können Sie als Teilnehmer verdienen?
Die Einnahmen aus der VPP-Teilnahme hängen vom Gerätetyp und der angebotenen Flexibilität ab. Ein Batteriespeicher mit 10 kWh Kapazität kann jährlich CHF 100–300 an VPP-Vergütung einbringen. Eine Wärmepumpe, die sich um 15–30 Minuten verschieben lässt, bringt CHF 50–150 pro Jahr. Ein Elektroboiler, der flexibel geschaltet wird, CHF 30–80 pro Jahr.
Diese Beträge erscheinen einzeln bescheiden, aber sie kommen zusätzlich zu den normalen Einsparungen durch Eigenverbrauch und Einspeisevergütung. Für den Teilnehmer bedeutet die VPP-Integration keinen spürbaren Komfortverlust – die Steuerung erfolgt intelligent und berücksichtigt den Bedarf des Haushalts.
Voraussetzungen zur Teilnahme
Um an einem virtuellen Kraftwerk teilzunehmen, benötigen Sie ein steuerbares Gerät (Batteriespeicher, Wärmepumpe, Elektroboiler oder E-Ladestation), einen Internetanschluss und ein kompatibles Steuerungsgerät (Smart-Home-Gateway). Die meisten VPP-Anbieter stellen das Steuerungsgerät kostenlos zur Verfügung und installieren es fachgerecht.
Die technischen Anforderungen variieren je nach Anbieter. Bei tiko beispielsweise muss die Wärmepumpe über eine SG-Ready-Schnittstelle verfügen, der Batteriespeicher muss fernsteuerbar sein, und ein stabiler Internetanschluss (WLAN oder LAN) muss vorhanden sein. Die meisten modernen Geräte erfüllen diese Anforderungen.
💡 Zukunft: Smart Meter und bidirektionales Laden
Mit dem flächendeckenden Rollout von Smart Metern bis 2027 und der Einführung des bidirektionalen E-Auto-Ladens (Vehicle-to-Grid, V2G) wird das Potenzial virtueller Kraftwerke enorm steigen. Ein E-Auto mit 60-kWh-Batterie könnte bei Bedarf Strom ins Netz zurückspeisen – und dafür vergütet werden.
Ihr Solar-Potenzial berechnen
Solaranlage + Speicher + VPP = maximale Rendite. Berechnen Sie Ihr Potenzial.
Jetzt berechnen →Virtuelle Kraftwerke sind die Zukunft der Energieversorgung. Sie ermöglichen eine dezentrale, flexible und erneuerbare Stromversorgung ohne teure Grosskraftwerke. Als PV-Anlagenbesitzer können Sie aktiv daran teilnehmen, das Stromnetz zu stabilisieren – und verdienen dabei zusätzlich. Die Einstiegshürden sind niedrig und die Teilnahme ist komfortabel.