Die Einspeisetarife – auch Rückspeisevergütung genannt – bestimmen massgeblich, wie rentabel Ihre Solaranlage ist. Denn für jeden überschüssigen Strom, den Sie ins Netz einspeisen, erhalten Sie eine Vergütung von Ihrem lokalen Energieversorger. Die Unterschiede zwischen den Versorgern sind dabei erheblich: Von knappen 4 Rappen bis zu grosszügigen 16 Rappen pro Kilowattstunde reicht die Bandbreite. In diesem umfassenden Vergleich analysieren wir die Tarife von über 30 Schweizer Energieversorgern und zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Einnahmen maximieren können.
Wie Einspeisetarife in der Schweiz funktionieren
In der Schweiz sind die Energieversorger gemäss Energiegesetz (EnG) verpflichtet, den dezentral produzierten Solarstrom abzunehmen. Die Mindestvergu¨tung muss dem vermiedenen Bezugspreis entsprechen – also dem Marktpreis, den der Versorger am Grosshandelsmarkt für Strom bezahlen würde. In der Praxis orientieren sich die meisten Tarife am vierteljährlichen Marktpreis-Referenzwert, den die ElCom (Eidgenössische Elektrizitätskommission) publiziert.
Die Tarife setzen sich in der Regel aus zwei Komponenten zusammen: dem Energietarif (basierend auf dem Marktpreis) und einem optionalen ökologischen Mehrwert für die Herkunftsnachweise (HKN). Letzterer kann je nach Versorger und Nachfrage nach Schweizer Solarstrom 1–3 Rappen pro kWh zusätzlich ausmachen. Einige Versorger bieten zudem saisonale Tarife an, bei denen die Winterproduktion höher vergütet wird als die Sommerproduktion – ein Anreiz für Fassadenanlagen und optimale Ausrichtungen.
Grosser Tarifvergleich: 30+ Energieversorger
Die folgende Tabelle zeigt die aktuellen Einspeisetarife der wichtigsten Schweizer Energieversorger. Die Tarife gelten für das Jahr 2026 und können quartalweise angepasst werden. Angegeben ist die Bandbreite inklusive allfälliger HKN-Vergütung.
| Versorger | Kanton/Region | Tarif (Rp./kWh) | HKN inkl. | Modell |
|---|---|---|---|---|
| ewz | Stadt Zürich | 10.0–16.0 | Ja | Solarstrombörse + Basistarif |
| EKZ | Kt. Zürich | 9.0–13.5 | Ja | Quartalstarif + HKN |
| Primeo Energie | BL/SO | 9.5–12.5 | Ja | Marktpreis + ökolog. Mehrwert |
| IWB | Basel-Stadt | 9.0–13.0 | Ja | Marktpreis + Zuschlag |
| SAK | Ostschweiz | 8.0–12.0 | Ja | Fester Jahrestarif |
| SIG Genève | Genf | 8.5–12.0 | Teilw. | Marktpreis + Prämie |
| Groupe E | Freiburg/Waadt | 7.5–11.5 | Ja | Quartalstarif |
| BKW | Kt. Bern | 7.5–11.0 | Teilw. | Basis + opt. Naturstrom |
| Axpo/CKW | Zentralschweiz | 6.5–10.5 | Ja | Monatl. Marktpreis |
| Alpiq/EBL | BL | 7.0–10.5 | Nein | Marktpreis referenziert |
| AEW | Kt. Aargau | 7.0–10.0 | Nein | Quartalsmarktpreis |
| Energie Wasser Bern (ewb) | Stadt Bern | 8.0–11.5 | Ja | Fester Jahrestarif |
| Repower | GR | 6.0–9.5 | Teilw. | Marktpreis |
| EWL Luzern | Stadt Luzern | 8.0–11.0 | Ja | Quartalstarif + HKN |
| SH Power | Schaffhausen | 7.5–10.0 | Ja | Fester Tarif |
| EWZ Urdorf | ZH | 8.0–11.0 | Ja | Quartalstarif |
| Energie Thun | BE | 7.5–10.5 | Ja | Marktpreis + Zuschlag |
| Thurgi Strom (EKT) | TG | 7.0–10.0 | Ja | Quartalstarif |
| EW Wald | ZH | 7.5–10.5 | Ja | Fester Tarif |
| Romande Energie | Waadt | 7.0–10.0 | Teilw. | Marktpreis |
| EBM | BL/SO | 7.0–9.5 | Ja | Fester Jahrestarif |
| SWL Energie | AG | 6.5–9.0 | Nein | Marktpreis |
| Energie Zürichsee Linth | SZ/GL | 7.0–10.0 | Ja | Quartalstarif |
| WWZ Zug | Zug | 8.0–11.0 | Ja | Quartalstarif + HKN |
| Industrielle Betriebe Interlaken | BE | 6.5–9.5 | Teilw. | Marktpreis |
| SWG Grenchen | SO | 6.0–9.0 | Nein | Marktpreis |
| EW Höfe | SZ | 7.0–10.0 | Ja | Quartalstarif |
| IBC Chur | GR | 6.5–9.5 | Teilw. | Marktpreis |
| ewn Nidwalden | NW | 7.0–10.0 | Ja | Fester Tarif |
| ESB Brig | VS | 5.5–8.5 | Nein | Marktpreis |
| Energie Uster | ZH | 8.0–11.0 | Ja | Quartalstarif + HKN |
Stand: Januar 2026. Tarife können quartalweise ändern. Bitte prüfen Sie die aktuellen Tarife auf der Website Ihres Versorgers oder auf der ElCom-Plattform.
💡 Wichtig: Marktpreis vs. garantierter Tarif
Einige Versorger bieten feste Jahrestarife an, während andere den Tarif quartalweise oder gar monatlich an den Marktpreis anpassen. In Zeiten hoher Marktpreise (wie 2022/2023) profitieren Sie von marktpreisorientierten Tarifen. In ruhigen Marktphasen bietet ein fester Tarif mehr Planungssicherheit. Prüfen Sie, welches Modell Ihr Versorger anbietet.
Was sind Herkunftsnachweise (HKN)?
Herkunftsnachweise (HKN) sind elektronische Zertifikate, die belegen, dass eine bestimmte Menge Strom aus erneuerbaren Quellen stammt. Für jede ins Netz eingespeiste Megawattstunde (MWh) Solarstrom wird ein HKN ausgestellt. Diese Nachweise werden über die Plattform Pronovo verwaltet und können separat gehandelt werden.
Der Wert eines HKN für Schweizer Solarstrom liegt aktuell bei 1–3 Rappen pro kWh. Einige Versorger kaufen die HKN automatisch zusammen mit dem Strom, andere überlassen es dem Anlagenbetreiber, die HKN separat zu vermarkten. Auf Plattformen wie der Schweizer Solarstrombörse oder über spezialisierte Händler lassen sich HKN teilweise zu besseren Konditionen verkaufen als über den Standardtarif des Versorgers.
Die Nachfrage nach Schweizer Solar-HKN ist in den letzten Jahren gestiegen, da immer mehr Unternehmen ihre CO₂-Bilanz verbessern und nachweislich Schweizer Ökostrom beziehen möchten. Dies stützt die HKN-Preise trotz des wachsenden Angebots an Solarstrom.
Marktpreis vs. garantierter Tarif
Seit der Strommarktliberalisierung auf Grosshandelsebene orientieren sich die meisten Einspeisetarife am europäischen Strommarktpreis (EPEX Spot). Dieser schwankt erheblich: Während der Energiekrise 2022 lagen die Marktpreise zeitweise über 30 Rp./kWh, sind sie 2025/2026 wieder auf 5–10 Rp./kWh zurückgekommen. Die ElCom publiziert vierteljährlich einen Referenzmarktpreis, der vielen Versorgern als Basis dient.
Einige Versorger bieten weiterhin fixe Jahrestarife an, die unabhängig von Marktschwankungen gelten. Dies bietet Planungssicherheit, kann aber in Hochpreisphasen nachteilig sein. Andere Versorger kombinieren einen garantierten Mindestpreis mit einer marktpreisabhängigen Komponente – ein Kompromiss, der beiden Seiten Sicherheit bietet.
Tipps zur Maximierung Ihrer Einnahmen
Um das Maximum aus Ihren Einspeisetarifen herauszuholen, sollten Sie folgende Strategien berücksichtigen:
- Eigenverbrauch priorisieren: Jede selbst verbrauchte kWh spart 20–35 Rp./kWh – deutlich mehr als jeder Einspeisetarif. Optimieren Sie Ihren Eigenverbrauch durch intelligente Gerätesteuerung und Batteriespeicher.
- HKN separat vermarkten: Wenn Ihr Versorger die HKN nicht oder nur gering vergütet, lohnt sich die separate Vermarktung über spezialisierte Plattformen.
- Saisonale Tarife nutzen: Einige Versorger zahlen im Winter höhere Tarife. Eine Ost-West-Ausrichtung oder Fassadenanlage kann die Winterproduktion erhöhen.
- Tarifmodell prüfen: Vergleichen Sie feste und marktpreisbasierte Tarife. In volatilen Märkten kann ein fester Tarif vorteilhafter sein.
- ZEV gründen: Im Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) können Sie Solarstrom direkt an Mieter oder Nachbarn verkaufen – zu höheren Preisen als der Einspeisetarif.
- Direktvermarktung prüfen: Für grössere Anlagen (ab 100 kWp) kann die Direktvermarktung über einen Aggregator lukrativer sein als der Standard-Einspeisetarif.
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Die Einspeisetarife in der Schweiz stehen vor mehreren Einflüssen. Einerseits drückt der zunehmende Ausbau der Solarenergie auf die Marktpreise – besonders in den sonnenreichen Mittagsstunden, wenn viele Anlagen gleichzeitig produzieren (der sogenannte Merit-Order-Effekt). Andererseits treiben der Atomausstieg, die Elektrifizierung des Verkehrs und der Heizungssysteme die Gesamtnachfrage nach Strom.
Experten gehen davon aus, dass sich die Einspeisetarife mittelfristig auf einem Niveau von 5–10 Rp./kWh stabilisieren werden. Der ökologische Mehrwert (HKN) könnte allerdings steigen, wenn die Nachfrage nach zertifiziertem Schweizer Ökostrom weiter zunimmt. Der Bundesrat prüft zudem Massnahmen, um die Einspeisung besser an den tatsächlichen Bedarf anzupassen – etwa durch zeitvariable Tarife, die die Einspeisung in Schwachlastzeiten höher vergüten.
Unabhängig von der Tarifentwicklung bleibt der Eigenverbrauch der wichtigste Hebel für die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage. Mit steigenden Netzstrompreisen wird jede selbst verbrauchte kWh immer wertvoller. Ein Batteriespeicher und intelligentes Energiemanagement sind daher die besten Investitionen, um von Ihrer Solaranlage maximal zu profitieren.
Versorger wechseln: Geht das?
Grundsätzlich sind Sie als Stromkonsument in der Schweiz an den lokalen Verteilnetzbetreiber gebunden – ein freier Wechsel des Versorgers ist im Grundversorgungsbereich (Haushalte) aktuell nicht möglich. Das bedeutet: Den Einspeisetarif bestimmt Ihr lokaler Versorger, und Sie können ihn nicht einfach wechseln.
Was Sie aber tun können: Die HKN separat vermarkten, einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) gründen, oder bei grösseren Anlagen die Direktvermarktung über Aggregatoren nutzen. Die geplante vollständige Strommarktöffnung würde künftig auch Haushalten die freie Wahl des Versorgers ermöglichen – der Zeitpunkt ist aber politisch noch offen.
Fazit
Die Einspeisetarife in der Schweiz variieren stark – von 4 bis 16 Rp./kWh. Städtische Versorger wie ewz und IWB zahlen tendenziell höhere Tarife als ländliche Versorger. Die Kombination aus Einspeisetarif und HKN-Vergütung kann die Einnahmen deutlich steigern. Der wichtigste Faktor bleibt aber der Eigenverbrauch: Wer seinen Solarstrom möglichst selbst nutzt, profitiert am meisten. Nutzen Sie unseren PV-Rechner, um Ihre individuelle Situation zu berechnen.