Eine Solaranlage auf dem Dach produziert oft mehr Strom, als der Haushalt gerade benötigt. Dieser Überschuss muss nicht verschenkt werden – im Gegenteil: Es gibt mehrere Möglichkeiten, mit Ihrem Solarstrom zusätzliche Einnahmen zu generieren. Von der klassischen Einspeisevergütung über Herkunftsnachweise bis zu modernen PPA-Modellen und dem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch bietet der Schweizer Markt vielfältige Optionen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen alle Wege, wie Sie mit Ihrer Solaranlage verdienen können.
1. Einspeisevergütung (Rückspeisevergütung)
Die Einspeisevergütung ist der einfachste und verbreitetste Weg, überschüssigen Solarstrom zu monetarisieren. Ihr lokaler Energieversorger ist gesetzlich verpflichtet, Ihren eingespeisten Strom abzunehmen und zu vergüten. Der Tarif variiert je nach Versorger zwischen 4 und 16 Rappen pro Kilowattstunde. Die ewz in Zürich bietet mit ihrer Solarstrombörse die höchsten Tarife, während kleinere Versorger oft nur den Marktpreis zahlen.
Die Abrechnung erfolgt automatisch über den bidirektionalen Stromzähler. Der Versorger misst, wie viel Strom Sie einspeisen, und vergütet diesen quartals- oder jahresweise. Die Einspeisevergütung ist ohne zusätzlichen Aufwand verfügbar und läuft vollautomatisch ab der Inbetriebnahme Ihrer Anlage.
2. Herkunftsnachweise (HKN)
Herkunftsnachweise sind elektronische Zertifikate, die den ökologischen Mehrwert Ihres Solarstroms dokumentieren. Für jede ins Netz eingespeiste Megawattstunde erhalten Sie einen HKN, der über die Plattform Pronovo verwaltet wird. Dieser Nachweis hat einen eigenständigen Marktwert von aktuell 1–3 Rappen pro Kilowattstunde.
Einige Energieversorger kaufen die HKN automatisch zusammen mit dem Strom und bieten einen Pauschaltarif inklusive HKN an. Andere vergüten nur den Energiewert und überlassen es Ihnen, die HKN separat zu vermarkten. Auf Plattformen wie der Schweizer Solarstrombörse, über HKN-Händler oder direkt an Unternehmen, die Schweizer Ökostrom nachweisen möchten, können Sie die HKN oft zu besseren Konditionen verkaufen als über den Standardtarif.
💡 HKN-Praxis-Tipp
Prüfen Sie zuerst, ob Ihr Versorger die HKN bereits im Einspeisetarif inkludiert. Falls ja, ist der Tarif oft bereits attraktiv. Falls nein, können Sie die HKN über Pronovo selbst vermarkten. Bei kleinen Anlagen (unter 30 kWp) lohnt sich der Aufwand allerdings nur, wenn die HKN-Preise deutlich über 2 Rp./kWh liegen, da auch administrative Kosten anfallen.
3. Direktvermarktung
Die Direktvermarktung ist eine Option für grössere Anlagen ab ca. 100 kWp. Statt den Strom zum festen Einspeisetarif an den lokalen Versorger zu verkaufen, wird der Strom über einen Aggregator (z.B. Axpo, Alpiq, BKW Trading) direkt am Spotmarkt oder über bilaterale Verträge vermarktet. Der Vorteil: In Hochpreisphasen erzielen Sie höhere Erlöse als mit dem festen Tarif.
Der Nachteil ist das Preisrisiko: In Niedrigpreisphasen können die Erlöse unter dem festen Tarif liegen. Zudem fallen Kosten für den Aggregator an (typischerweise 5–15 % der Erlöse). Für Kleinanlagen ist die Direktvermarktung meist nicht sinnvoll, da die fixen Kosten den Mehrerlös auffressen.
4. Power Purchase Agreements (PPA)
PPAs sind langfristige Stromlieferverträge zwischen dem Anlagenbetreiber und einem Abnehmer (z.B. ein Unternehmen). Der Abnehmer verpflichtet sich, den Solarstrom über einen Zeitraum von 10–25 Jahren zu einem festen oder indexierten Preis abzunehmen. PPAs bieten Planungssicherheit für beide Seiten und werden in der Schweiz zunehmend populär.
Für Privathaushalte sind klassische PPAs selten relevant, da die Anlagenleistung zu gering ist. Allerdings gibt es Community-PPA-Modelle, bei denen sich mehrere Anlagenbetreiber zusammenschliessen, um gemeinsam ein PPA mit einem Grossabnehmer abzuschliessen. Anbieter wie Enovos oder Solarspar vermitteln solche gemeinschaftlichen Modelle in der Schweiz.
5. Eigenverbrauch: Die profitabelste Option
Streng genommen verkaufen Sie beim Eigenverbrauch keinen Strom – aber Sie vermeiden den teuren Netzbezug und sparen dadurch am meisten. Jede selbst verbrauchte kWh spart Ihnen 20–35 Rp./kWh an Stromkosten, während die Einspeisung nur 4–16 Rp./kWh bringt. Der Eigenverbrauch ist also finanziell doppelt bis dreifach so attraktiv wie die Einspeisung.
Um den Eigenverbrauch zu maximieren, gibt es mehrere Strategien. Erstens: Verbrauch in die Sonnenstunden verlagern (Waschmaschine, Geschirrspüler, Boiler mittags laufen lassen). Zweitens: Batteriespeicher installieren, um den Abend- und Nachtbedarf mit Solarstrom zu decken. Drittens: Wärmepumpe mit Solarstrom koppeln. Viertens: Elektroauto tagsüber mit Solarstrom laden. Fünftens: Smart-Home-Steuerung einsetzen, die Geräte automatisch bei Solarüberschuss einschaltet.
6. ZEV: Strom an Mieter verkaufen
Mit einem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) können Sie als Eigentümer eines Mehrfamilienhauses den Solarstrom direkt an die Mieter verkaufen. Der interne Tarif darf bis zum Niveau des lokalen Versorgertarifs reichen – typischerweise 20–28 Rp./kWh. Das ist deutlich mehr als die Einspeisevergütung und macht den ZEV zum finanziell attraktivsten Modell für MFH-Besitzer.
Steuerliche Aspekte von Solareinnahmen
Die Einnahmen aus der Stromeinspeisung sind in der Schweiz grundsätzlich steuerpflichtig. Sie müssen als Einkommen in der Steuererklärung deklariert werden. Gleichzeitig können die Investitionskosten der Solaranlage als werterhaltende Massnahme von den Steuern abgezogen werden – und zwar im Jahr der Investition. Bei grossen Anlagen kann der Steuerabzug erheblich sein und die effektiven Nettokosten nochmals um 20–30 % senken.
Wichtig zu wissen: Sobald die Einnahmen aus Solarstrom einen gewerblichen Charakter annehmen (z.B. bei sehr grossen Anlagen oder professioneller Vermarktung), können Sozialversicherungsbeiträge und Mehrwertsteuer anfallen. Für typische Eigenheimbesitzer mit Anlagen bis 30 kWp ist dies aber in der Regel nicht der Fall.
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Es gibt viele Wege, mit einer Solaranlage in der Schweiz Geld zu verdienen. Die profitabelste Strategie bleibt der Eigenverbrauch, gefolgt vom ZEV für MFH-Besitzer. Die Einspeisevergütung und HKN-Vermarktung bieten zusätzliche Einnahmen für den überschüssigen Strom. Für grössere Anlagen können Direktvermarktung und PPA-Modelle interessant sein. In jedem Fall lohnt es sich, die verschiedenen Optionen zu vergleichen und die optimale Strategie für Ihre Situation zu wählen.