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Photovoltaik an der Fassade: BIPV-Lösungen für die Schweiz

Bauwerkintegrierte Photovoltaik (BIPV) geht weit über die klassische Dachanlage hinaus. Fassaden, Balkongeländer, Sonnenschutzlamellen und sogar Fenster können heute Strom produzieren. Für die Schweiz ist BIPV besonders interessant: Fassadenanlagen produzieren im Winter verhältnismässig viel Strom – genau dann, wenn der Bedarf am höchsten und die Dachproduktion am niedrigsten ist.

Was ist BIPV?

BIPV (Building Integrated Photovoltaics) bezeichnet Solarmodule, die als integraler Bestandteil der Gebäudehülle fungieren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Aufdach-Anlagen (BAPV) ersetzen BIPV-Elemente konventionelle Baumaterialien wie Fassadenverkleidungen, Dachziegel, Brüstungen oder Sonnenschutzelemente. Sie erfüllen damit eine Doppelfunktion: Gebäudehülle und Stromproduktion.

Vorteile der Fassaden-PV

Fassadenanlagen bieten gegenüber Dachanlagen einen entscheidenden Vorteil: Sie produzieren im Winter anteilig mehr Strom. Während eine Süd-Dachanlage im Winter nur 15–20 % ihres Jahresertrags liefert, erreicht eine vertikale Südfassade im Winter 25–35 % ihres Jahresertrags. Der Grund: Die tiefstehende Wintersonne trifft die vertikale Fassade unter einem günstigeren Winkel als das geneigte Dach.

Besonders vorteilhaft sind Ost- und Westfassaden: Sie produzieren morgens bzw. abends Strom – genau dann, wenn typische Haushalte den meisten Strom verbrauchen (Frühstück, Abendessen). Eine Kombination aus Dachanlage und Fassaden-PV glättet die Produktionskurve und erhöht den Eigenverbrauch ohne zusätzlichen Speicher.

Schweizer Hersteller und Produkte

Die Schweiz hat eine führende Position in der BIPV-Technologie. ISSOL (ehemals Schweizer Unternehmen, heute belgisch-schweizerisch) ist Weltmarktführer für farbige BIPV-Module. Solaxess (Neuenburg) hat eine einzigartige Technologie entwickelt, die weisse und helle Solarmodule ermöglicht – ohne nennenswerten Wirkungsgradverlust. SunStyle (Lausanne) produziert Solardachziegel, die auch für Fassadenverkleidungen geeignet sind.

Dazu kommen internationale Hersteller wie Ertex Solartechnik (Österreich, Glas-Glas-Module in Sondergrössen), LOF Solar (kundenspezifische BIPV-Lösungen) und Schott Solar (semitransparente Module für Verglasung). Die Produktpalette reicht von opaken Fassadenplatten über semitransparente Verglasungen bis zu farbigen Keramikelementen mit integrierten Solarzellen.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

BIPV-Fassadenelemente sind teurer als konventionelle Solarmodule: Die Kosten liegen bei CHF 400–800 pro m² für opake Fassadenmodule und CHF 600–1’200 pro m² für semitransparente oder farbige Varianten. Allerdings muss man berücksichtigen, dass BIPV-Elemente die konventionelle Fassadenverkleidung ersetzen, die selbst CHF 200–500 pro m² kostet. Die Mehrkosten für die Solarfunktion liegen daher nur bei CHF 200–500 pro m².

Der jährliche Stromertrag einer vertikalen Südfassade beträgt in der Schweiz ca. 600–800 kWh/kWp – rund 30 % weniger als eine optimal geneigte Dachanlage. Dafür ist der Ertrag im Winter höher, was den Wert des produzierten Stroms steigert (höhere Winterstrompreise, höherer Eigenverbrauch).

Bemerkenswerte Schweizer BIPV-Gebäude

Die Schweiz hat einige Vorzeigeprojekte in der BIPV-Architektur. Das SwissTech Convention Center der EPFL in Lausanne verfügt über eine farbige Solarfassade mit 300 m² BIPV-Elementen von Grätzel-Zellen. Das Umwelt Arena in Spreitenbach zeigt verschiedene BIPV-Technologien auf seiner Fassade und dem Dach. In Zürich-West wurden mehrere Neubauten mit Ganzfassaden-PV realisiert, darunter Gebäude mit einer Fassadenleistung von 100+ kWp.

🏗 Potenzial Schweizer Fassaden

Laut einer Studie des BFE verfügt die Schweiz über rund 400 km² geeignete Fassadenfläche für PV. Das entspricht einem theoretischen Potenzial von 17 TWh Strom pro Jahr – fast ein Drittel des Schweizer Strombedarfs. Besonders attraktiv: Fassadenstrom ergänzt den Dachstrom zeitlich optimal.

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BIPV an der Fassade ist keine Zukunftsmusik – es ist heute technisch ausgereift, architektonisch überzeugend und wirtschaftlich zunehmend attraktiv. Die Schweiz hat dank innovativer Unternehmen und einer ambitionierten Energiepolitik eine Führungsrolle in diesem Bereich übernommen. Für Neubauten und Fassadensanierungen ist BIPV eine überlegenswerte Option, die Ästhetik und Energieproduktion elegant verbindet.

Fassaden-PV in Schweizer Städten: Kantonale Vorschriften

Die Integration von Photovoltaik in Gebäudefassaden unterliegt in der Schweiz kantonalen Bauvorschriften, die sich teilweise erheblich unterscheiden. Im Kanton Zürich sind fassadenintegrierte Solaranlagen in Bauzonen grundsätzlich bewilligungsfrei, sofern sie die ästhetischen Anforderungen der Gemeinde erfüllen. Der Kanton Basel-Stadt verlangt hingegen eine Baubewilligung für alle Fassadenanlagen und hat spezifische Gestaltungsrichtlinien für verschiedene Quartiere erlassen.

Besonders innovativ zeigt sich der Kanton Waadt, der BIPV-Fassaden (Building-Integrated Photovoltaics) aktiv fördert und in seinen MuKEn-konformen Energievorschriften als bevorzugte Lösung für Neubauten anerkennt. Im Kanton Graubünden gelten für Fassadenanlagen in touristischen Zonen besondere ästhetische Auflagen, die eine Integration in das Ortsbild sicherstellen sollen. Generell empfiehlt es sich, vor der Planung einer Fassadenanlage das lokale Bauamt zu konsultieren und die kantonalen Energiegesetze zu prüfen.

Architektonische Gestaltungsmöglichkeiten mit BIPV

Moderne BIPV-Module bieten eine beeindruckende Vielfalt an Gestaltungsoptionen, die weit über die klassische dunkelblaue Solaroptik hinausgehen. Schweizer Hersteller wie die Solaxess SA in Neuenburg haben Technologien entwickelt, die Solarmodule in praktisch jeder Farbe erscheinen lassen – von Terracotta über Grau bis zu Weiss. Diese Entwicklung ermöglicht die Integration von Solarenergie selbst in historisch sensiblen Umgebungen.

Für Architekten bieten semitransparente Module besonders interessante Gestaltungsmöglichkeiten: Als Sonnenschutz an Südfassaden erzeugen sie attraktive Licht-Schatten-Spiele im Inneren des Gebäudes und produzieren gleichzeitig Strom. In der Schweiz setzen Projekte wie das Umwelt Arena in Spreitenbach und das SwissTech Convention Center der EPFL in Lausanne Massstäbe für die architektonische Integration von Solarmodulen in die Gebäudehülle.

Langfristiger Betrieb und professionelle Wartung

Solaranlagen sind wartungsarm, aber nicht wartungsfrei. Ein jährlicher Sichtcheck und alle 3–5 Jahre eine professionelle Inspektion sichern die optimale Leistung über die gesamte Lebensdauer von 25–30 Jahren. In der Schweiz bieten viele Installateure Wartungsverträge ab CHF 150–300 pro Jahr an. Diese umfassen die Prüfung der elektrischen Verbindungen, die Reinigung bei starker Verschmutzung und das Software-Update des Wechselrichters. Die Module selbst werden durch Regen weitgehend sauber gehalten – nur bei flachen Neigungswinkeln unter 15° kann sich Moos oder Laub ansammeln. Monitoring-Systeme erkennen Ertragseinbussen frühzeitig: Ein plötzlicher Leistungsabfall deutet auf defekte Module, lockere Stecker oder Wechselrichterstörungen hin. Die Versicherung der Anlage über die Gebäudeversicherung oder eine separate Solarversicherung kostet CHF 50–100 jährlich und deckt Hagelschäden, Blitzschlag und Diebstahl ab.

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