Blog · 3. Juni 2026

Lastprofil und Anlagengrösse — die optimale PV-Dimensionierung

Wie Sie das Lastprofil Ihres Haushalts analysieren und die optimale PV-Anlagengrösse berechnen. Praktische Anleitung für Schweizer EFH und MFH 2026.

3. Juni 2026 · Sonnenstrom Info

Sonnenstrom Info bietet unabhängige Schweizer Solar-Informationen. Dieser Beitrag ist Teil unserer Wissensreihe zu Photovoltaik, Förderung und Wirtschaftlichkeit.

Die richtige Anlagengrösse ist entscheidend

Eine zu kleine PV-Anlage lässt Eigenverbrauchspotenzial ungenutzt. Eine zu grosse Anlage produziert übermässig Strom, der zu niedrigen Tarifen ins Netz geht. Die optimale Anlagengrösse hängt vom individuellen Lastprofil ab. Diese Analyse zeigt, wie Sie das richtige Mass finden.

Was ist ein Lastprofil?

Das Lastprofil ist die Verteilung Ihres Stromverbrauchs über den Tag, die Woche und das Jahr. Wichtige Merkmale:

  • Tagesverlauf: morgendliche, mittägliche und abendliche Spitzen
  • Wochenend-Effekte (Sonntag oft anders als Werktage)
  • Saisonale Schwankungen (Heizung im Winter)
  • Sondervervrancher (Wärmepumpe, E-Auto)

Lastprofile typischer Schweizer Haushalte

2-Personen-Haushalt ohne WP/EV

  • Jahresverbrauch: 2'500-3'500 kWh
  • Morgen-Spitze: 7-8 Uhr
  • Abend-Spitze: 18-21 Uhr
  • Mittags eher niedrig
  • Optimale Anlage: 4-6 kWp

4-Personen-Familie ohne WP/EV

  • Jahresverbrauch: 4'500-6'500 kWh
  • Spitzen wie 2-Personen, aber höher
  • Wochenend-Verbrauch deutlich höher
  • Optimale Anlage: 8-10 kWp

Mit Wärmepumpe ohne EV

  • Jahresverbrauch: 7'500-10'000 kWh
  • Winter-Spitzen deutlich
  • Mittags-Spitze nun ausgeprägt durch WP
  • Optimale Anlage: 10-12 kWp

Mit Wärmepumpe und E-Auto

  • Jahresverbrauch: 10'000-14'000 kWh
  • EV-Ladung schafft zusätzlichen Bedarf
  • Tagesverbrauch deutlich höher
  • Optimale Anlage: 12-15 kWp

Faustregeln zur Dimensionierung

Klassische Regel

  • 1 kWp pro 1'000 kWh Jahresverbrauch
  • Beispiel: 4'500 kWh = 4,5 kWp empfohlen
  • Resultiert in 30-40 % Eigenverbrauchsquote

Erweitert mit Eigenverbrauchs-Optimierung

  • 1,5 kWp pro 1'000 kWh = optimale Wirtschaftlichkeit
  • Beispiel: 4'500 kWh = 7-9 kWp
  • Höhere Eigenverbrauchsquote durch grössere Anlage + Speicher

Mit Sektorkopplung

  • 1 kWp pro 800-900 kWh Jahresverbrauch
  • Beispiel: 8'000 kWh mit WP = 9-10 kWp
  • Volle Verbrauchs-Abdeckung möglich

Strom-Cloud-Analyse als Grundlage

Schweizer EVU bieten Strom-Cloud-Plattformen:

  • Tagesgenau Verbrauchsdaten
  • Stündliche Aufzeichnung möglich
  • Vergleich verschiedener Zeiträume
  • Trend-Analysen

Nutzen Sie diese Daten für realistische Anlagengrössen-Planung.

Zukunftsplanung berücksichtigen

E-Auto-Anschaffung in den nächsten 5 Jahren

  • Anlage 20-25 % grösser dimensionieren
  • Spätere Erweiterungs-Kosten höher als initial
  • Mehrkosten amortisieren sich

Wärmepumpen-Wechsel geplant

  • Anlage von Anfang an grösser planen
  • Mit WP zusätzliche 3'500-5'000 kWh / Jahr Verbrauch
  • 30-40 % grössere PV sinnvoll

Wärmepool/Klimaanlage geplant

  • Zusätzlich 1-2 kWp einplanen
  • Sommer-Mehrverbrauch optimal solar

Maximale Dachfläche ausnutzen?

Sollten Sie die Dachfläche maximal ausnutzen?

Argumente dafür

  • Modul-Kosten sinken, Installation bleibt fix
  • Mehr Erträge möglich
  • Höhere Wertsteigerung des Hauses
  • Mehr Förderung möglich

Argumente dagegen

  • Niedrigerer Eigenverbrauchsanteil
  • Mehr ungenutzte Einspeisung zu niedrigen Tarifen
  • Höhere Anfangsinvestition
  • Längere Amortisation

Optimale Anlagengrösse berechnen

Schritt 1: Aktuellen Verbrauch ermitteln

Stromrechnungen der letzten 24 Monate analysieren.

Schritt 2: Zukunfts-Bedarf einschätzen

  • Plant E-Auto: +3'000 kWh
  • Plant WP: +3'500-5'000 kWh
  • Plant Speicher: keine Verbrauchs-Änderung
  • Plant Wallbox: bei E-Auto

Schritt 3: Anlagen-Berechnung

  • Faustregel anwenden
  • Mit Online-Rechner präzisieren
  • Mit Installateur abstimmen

Schritt 4: Dach-Realität prüfen

  • Maximale Dachfläche
  • Verschattung berücksichtigen
  • Bewilligungs-Aspekte
  • Statische Kapazität

Häufige Dimensionierungs-Fehler

Zu kleine Anlage

  • Wegen Budget-Knappheit unterdimensioniert
  • Eigenverbrauchspotenzial verschenkt
  • Spätere Erweiterung teurer als initial
  • Mehrkosten typisch 25-40 % pro nachträglicher kWp

Zu grosse Anlage

  • Übermässige Einspeisung zu niedrigen Tarifen
  • Eigenverbrauchsquote sinkt
  • Höhere Initial-Investition
  • Lange Amortisationszeit

Beispielrechnung für 4-Personen-EFH

Aktuelle Daten

  • Verbrauch 5'200 kWh / Jahr
  • Ölheizung vorhanden
  • Plan: WP in 3 Jahren
  • Plan: E-Auto in 5 Jahren

Berechnung

  • Aktuell: 5,5 kWp ausreichend
  • Zukunfts-Verbrauch: ca. 12'000 kWh
  • Empfehlung: 10-12 kWp
  • Dach ermöglicht: 12 kWp
  • Entscheidung: 12 kWp aus Zukunfts-Optimierung

Speicher-Dimensionierung

  • Faustregel: 1 kWh Speicher pro 1'000 kWh Jahresverbrauch
  • Bei 5'000 kWh: 5-6 kWh Speicher
  • Bei WP-Haushalt: 7-10 kWh sinnvoll
  • Sehr grosse Speicher selten wirtschaftlich

Praktische Empfehlungen 2026

  • Mittlere Anlage 8-10 kWp als Standard
  • Bei WP-Plänen: 10-12 kWp
  • Bei E-Auto-Plänen: zusätzlich 2-3 kWp
  • Bei voll-Sektorkopplung: 12-15 kWp
  • Bei MFH: 15-25 kWp typisch

Zusammenfassung

Die optimale PV-Anlagengrösse hängt vom individuellen Lastprofil und der Zukunftsplanung ab. Eine 8-10 kWp Anlage ist 2026 die Standard-Empfehlung für Schweizer EFH. Bei Sektorkopplung-Plänen sollte 30-40 % grösser dimensioniert werden. Die richtige Grösse maximiert Wirtschaftlichkeit, Eigenverbrauchsquote und Amortisationszeit. Sorgfältige Analyse des aktuellen und prognostizierten Verbrauchs ist die Grundlage der richtigen Entscheidung.

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